Mas Gabriel

Drei Terrassen im Paradies

In Caux, wenige Kilometer nördlich des touristischen Städtchens Pézenas, liegt ein kleines, aber ganz spezielles Weingut: Mas Gabriel. Hier haben sich Deborah und Peter Core ihren Traum verwirklicht und produzieren zu zweit hervorragende Weine – in viel Handarbeit und nach biodynamischen Kriterien.

Nichts in dieser Nebenstrasse des kreisförmig um die Kirche angelegten Dörfchens Caux weist auf den ersten Blick darauf hin, dass hier einer der besten AOC Coteaux du Languedoc produziert wird – ausser einer bescheidenen Tafel: Mas Gabriel. Schlägt man ehrfürchtig die kürbisgrosse, schwere Glocke neben dem Eisenblechtor, antwortet Hundegebell, kurz darauf öffnet sich das Tor und Peter Core, ein angegrauter Mittfünfziger, bittet in den Hof des alten, traditionellen Winzerhauses. Das Bellen darf inzwischen getrost als freudige Begrüssung interpretiert werden; Border Collie Jack liebt Besuch – mit Ausnahme jenes des Postboten, wie Peter schmunzelnd erzählt.

Peter Core und seine Frau Deborah trafen sich in den 90er-Jahren in London; die beiden Engländer hatten gute Jobs – sie als Anwältin, er als Finanzdirektor in der Medienbranche. Es mangelte ihnen jedoch an einer Herausforderung, einer erfüllenden und kreativen Tätigkeit, in der sie eins sind mit der Natur. 2002 kehrten sie der Metropole den Rücken mit dem Traum vom eigenen kleinen Weingut in Südfrankreich.

Lehrjahre in Neuseeland

Als erstes absolvierten die Cores eine 18-monatige Ausbildung zum Winzer in Tairawhiti auf Neuseeland. «Der Sprache wegen», gesteht Peter, «wir sind typische Briten, die sich mit dem Französisch schwer tun.» Zurück in Europa, suchten Sie ein geeignetes Gut, 2006 wurden sie fündig in Caux: ein Weinberg mit ganz besonderem Terroir, reich an vulkanischem Basalt. Für die Weine bedeutet dies schöne Frische und gut ausbalancierte Säure. Die knapp fünf Hektaren liegen auf drei sanft geneigten Terrassen im Schatten eines ersten Hügelzuges in nordöstlicher Ausrichtung. Zusammen mit dem alten Baumbestand rund um die Parzelle sind die Reben hier gut geschützt vor zu starker Sonnenbestrahlung und austrocknenden Winden. Die Parzellen sind mit über 60-jährigen Syrah und über 70-jährigen Carignan-Reben bestockt. Etwas Cinsault und Grenache runden den Rebsortenspiegel ab. Bei Neuanpflanzungen – die letzte erfolgte 2019 mittels vielbeachtetem Crowdfunding – achten die beiden auf die Stockdichte und die Auswahl ungeklonter Stöcke.

Biodynamischer Anbau

Deborah erzählt, dass sie beide schon immer fasziniert gewesen seien vom naturbelassenen Anbau. Sie arbeiten deshalb strikte ohne Herbizide, Pestizide, Fungizide und Kunstdünger. «Wir sind überzeugt, dass biodynamisch gewachsene Trauben die Einflüsse des Terroirs auf den Wein besser wiedergeben.» Sie düngen deshalb nur mit Kuhdung, mit kompostierten Hornspänen und nehmen Rücksicht auf den Mondkalender. Gras und Blumen dürfen zwischen den Reben wachsen, ab und zu zurückgebunden von einer Herde Schafe aus der Umgebung. In deren Gesellschaft fühlt sich übrigens Jack in seinem Element – schliesslich hat er ein Lehrjahr bei einem Schafhirten verbracht.

Die Arbeit zu zweit im Weinberg

Die Cores pflegen ihre Reben das ganze Jahr über selbst und sind jeden Tag im Weinberg anzutreffen. Sie ernten die Trauben vollständig von Hand, um die Typizität der Trauben und des Terroirs am besten zum Ausdruck zu bringen. «Wir können so jeden Arbeitsschritt zum richtigen Zeitpunkt erledigen, ohne abhängig zu sein von der Hilfe Dritter – mit Ausnahme der Lese.» Dann können sie auf die alljährliche Unterstützung einer Gruppe treuer Freunde zählen, jeweils angereist von Kanada bis Neuseeland. Hauptsache, sie sprechen Englisch!

Was die Weine von Mas Gabriel vor allem auszeichnet: Bei aller Kraft, Intensität und gebietstypischer Würze besitzen die Roten und der Rosé eine tolle Frucht, wirken sehr harmonisch und gefallen – gleichsam schwerelos – durch eine natürliche Eleganz. Inzwischen sind auch Kritiker wie Robert Parker auf die Weine von Mas Gabriel aufmerksam geworden und belohnen die Anstrengungen der Cores mit hohen Noten.

8 Fragen an Deborah Core

Meine Appellationen?

AOC Languedoc Pézenas und IGP Pays d’Hérault

Lebensmotto?

Du lebst nur einmal.

Was ich liebe?

Viele Dinge, vor allem aber meinen Mann Peter, meinen Hund Jack und mein Klavier.

Meine Top-Tipps?

Käse mit einem guten Weisswein genies­sen – oder besser: einen Trois Terrasses zu Entenbrust an einer Sauce von roten Früchten.

Besonderes Kennzeichen?

Bezogen auf Mas Gabriel: das basalthaltige Terroir. Bezogen auf mich: «Die grosse Engländerin».

Meistgebrauchtes Schimpfwort?

F**K (mit Vorsicht zu benutzen)!

Lieblingsfest?

Weihnachten

Bestes Antidepressivum?

Tagsüber ein Kaffee mit einem Stück Schokoladenkuchen. Nach 18 Uhr ein Glas Clos des Lièvres.

Die Weine von Mas Gabriel

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