Mas de la Séranne

Wiedergeboren als Winzer

Seit Jean-Pierre Venture von Mas de la Séranne 1999 seinen erfrischend fruchtigen À l’ombre du figuier dem grösseren Publikum vorstellte, hat der Winzer einen wahren Medaillenberg angehäuft mit seinen Cuvées und massgeblich zur Entwicklung der Appellation Terrasses du Larzac beigetragen. In diesem Sommer wurde sein Antonin et Louis mit dem Grand Prix de L’Hérault geadelt.

Geboren oder wiedergeboren werden – das ist die Frage, die man sich stellt, wenn man mit Jean-Pierre Venture die Bekanntschaft macht. Er lebt nicht sein erstes (Berufs-)Leben, der kleingewachsene Winzer mit dem schalkhaften Blick und den wortgewandten, nie ganz ernst gemeinten Ausführungen im typisch südfranzösischen Idiom. Vor rund zwanzig Jahren haben Jean-Pierre und seine Frau Isabelle ihrer Existenz einen neuen Inhalt gegeben – eine neue Bestimmung für die Lebensphase ab 40 war geboren.

Vorausgegangen waren zwei Jahrzehnte, in denen der Mann mit dem immer tief ins Gesicht gezogenen Indiana-Jones-Schlapphut als Lebensmittel-Ingenieur Biscuit-Werke für Bahlsen und Brossard geleitet hat und Isabelle als Krankenschwester arbeitete. Ein Wechsel im Aktionariat und eine Neuordnung des Managements stellten Jean-Pierre vor die Sinnfrage – gemeinsam mit Isabelle suchte er eine neue Herausforderung: Warum nicht die Winzergene in ihrem Erbgut zu neuer Blüte führen, jene von Antonin – Isabelles Grossvater aus Saint-Guilhem-le-Désert – und Louis, dem aus Villeveyrac stammenden Grossvater von Jean-Pierre? Eine Wiedergeburt in gewisser Hinsicht: «Freude bereiten. Wein und Biscuits berühren sich hier», sagt Jean-Pierre.

Auf den Spuren von Antonin und Louis

«Es war Liebe auf den ersten Blick zu dieser Landschaft, welche uns hier Wurzeln schlagen liess», erinnert er sich. Ihre ersten Ideen von einem Weingut in der Nähe des majestätischen Pic Saint-Loup oder in der Umgebung von Lodève verblichen angesichts des atemberaubenden Panoramas des Massif de la Séranne, welches sich ihnen von Aniane aus bot. «Wir sind wegen der Landschaft hier hängen geblieben, nicht wegen der Weinberge», versichert Jean-Pierre heute – obwohl gerade diese Hügelzüge im Sommer die nächtliche Kühle garantieren, welche für die Finesse in seinen Weinen sorgt. Durch die Weinberge hoch steigend zu Isabelle, kommen wir in den Genuss einer Vorlesung in Botanik. Er weiss den Namen jeder Pflanze am Wegrand, erläutert alle noch so kleinen Geheimnisse jeder Garrigue und lässt uns deren Parfum ins Gedächtnis heften.

Jean-Pierre und Isabelle sind 1998 hier angekommen. Die Domaine war sechs Hektaren gross, bestockt mit Cinsault, Carignan und Grenache. Heute zählt sie 16 ha, die jüngste dazu gekommene Parzelle war jene von Isabelles Grossvater. Auf unterschiedlichstem Terroir – Kiessediment, gelber Mergel und Muschelkalk – wurden zur Ergänzung die autochtone Sorte Terret gepflanzt, dazu Counoise und Morrastel. «Ich suche heute früh reifende Traubensorten, um einem hohen Alkoholgehalt entgegen zu wirken. Diesen hat man meinen Weinen gerne vorgeworfen», lächelt Jean-Pierre. «Aber daran bin nicht ich schuld. Alkohol kommt vom Zucker in den Traubenbeeren. Und der Zucker kommt von der Sonne hier!»

Erster Wein – erste Medaille

Schon in den ersten beiden Jahren in Aniane machte sich der Jungwinzer bemerkbar bei Publikum und Fachleuten. Er lernte schnell, aber ohne Eile. Zurück von der Weinbauschule und einem Praktikum auf Mas Bruguière in Pic Saint-Loup, presste er seine erste Cuvée, einen Rosé. Er gewann damit eine Goldmedaille. Ein Jahr später wurde seine rote Cuvée Le Clos des Immortelles ausgezeichnet. Den Durchbruch brachte aber ein anderer Wein: der dem für das Weingut sinnbildlichen Feigenbaum gewidmete À l’ombre du figuier, ein enfacher, fruchtig-firscher und durstlöschender Tropfen für den Genuss im geselligen Freundeskreis.

Zu beginn des Jahrtausends förderte Jean-Pierre als Präsident der AOC Terrasses du Larzac die Bekanntheit der Appellation, heute ist sie eine der renommiertesten im Languedoc. Gleichzeitig stellte er seinen Betrieb auf Bio um, unter Einbezug einiger biodynamischer Grundsätze – «im guten Sinne unserer Vorfahren.» Dabei stützt er sich, ohne seine unstillbare Neugier aufzugeben, auf überliefertes Wissen. «Ich hätte nicht genügend Zeit, um alles selber auszuprobieren», gesteht er mit einem Anflug von Bedauern. In seinem Büro klaubt Jean-Pierre einen Ordner hervor, dessen Deckel sich biegen – so voll ist er. Auf Hunderten von Blättern hat er Etiketten aufgeklebt von Degustationen, ergänzt mit Kommentaren. Jean-Pierre schmökert darin: «1979, Le Cardinal von der Cave de Saint-Saturnin, der beste einer ganzen Epoche. Ein grosser Wein… Oder hier, von der Wiege der Qualitätsweine aus dem Languedoc, der Domaine Daumas-Gassac 1984…»

Es wäre an der Zeit, auch die Etikette des Antonin et Louis von Mas de la Séranne einzukleben.

8 Fragen an Jean-Pierre Venture

Meine Appellationen?

Meine eigenen: Coteaux du Languedoc, Terrasses du Larzac. Und meine Lieblinge: die nördlichen Côtes du Rhône und Bourgogne.

Lebensmotto?

Sich von nichts beirren lassen.

Was ich liebe?

… meine Frau Isabelle, die Natur, Pflanzen, Insekten, mein Languedoc, Wandern, den Sonnenuntergang über meinem Weinberg.

Meine Top-Tipps?

Ab und zu in den Ausgang mit Isabelle in ein feines Restaurant – leider gelingt es mir viel zu selten!

Besonderes Kennzeichen?

Mein Hut, der nie ruhig sitzt auf meinem Kopf, weil ich so sprühe vor Energie…

Meistgebrauchtes Schimpfwort?

Ich und fluchen ?????

Lieblingsfest?

Weihnachten im Kreise der Familie – begleitet von guten Tropfen.

Bestes Antidepressivum?

Ich brauche kein Antidepressivum. Im Notfall vielleicht ein gutes Glas Wein! Aber nicht meinen eigenen, dann einen Côte Rôtie, einen Hermitage – oder Champagner zu zweit!

Die Weine von Mas de la Séranne

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