Domaine Piétri-Géraud

«Sie sind hier bei Frauen!»

Collioure ist ein altes Fischerdorf mit zwei durch eine alte Festung getrennten Hafenbuchten, ein touristischer Anziehungspunkt an der Côte Vermeille nördlich der Pyrenäen. Hier produziert Laetitia Piétri in fünfter Generation der Domaine Piétri-Géraud die göttlichen Banyuls-Süssweine, welche wir neu ins Sortiment von Vindoc aufgenommen haben.

Mit 18 träumte Laetitia Piétri von der Grossstadt, sie wollte in Paris Kommunikationswissenschaften studieren statt im zwar hübschen, aber engen 3000-Seelen-Dorf Collioure den Trauben beim Wachsen zusehen. Paris gefiel ihr, das Studium hat sie abgeschlossen. Trotzdem ist sie viel früher als ursprünglich vorgesehen wieder nach Collioure zurückgekehrt. Kaum Arbeit auf ihrem Fachgebiet war der eine Grund, das «Winzer-Gen» in ihrem Blut aber wohl der wichtigere. Hier lebt sie nun seit mittlerweile 16 Jahren; es war eine Rückkehr zu den Wurzeln, also dorthin, wo sie als Kind bei der Lese mitgeholfen hatte. Noch sehr gut erinnert sie sich an den Duft des Marc de Banyuls und den Stolz ihres Grossvaters, wenn er «seinen» Wein zum Probieren gab.

Grossvaters «französischer» Abgang

Mit 83 Jahren hatte Grossvater Joseph Géraud beschlossen, sich fortan der Malerei zu verschreiben und das Weingut seiner einzigen Tochter Maguy, Laetitias Mutter, zu überlassen. Maguy hatte bis zu diesem Tag – sie war 45 – nie einen Fuss in den Keller gesetzt und schon gar nicht darin gearbeitet. Und für den Weinberg galt dasselbe. Dies hinderte sie aber nicht daran, sich in das Abenteuer zu stürzen. Mit dem in kürzester Zeit erarbeiteten Winzerdiplom beeindruckte sie selbst Tochter Laetitia, welche «damals im Gymnasium das Gefühl hatte, unter dem vielen Lernstoff zusammenzubrechen.»

Die Piétris haben ihre Reben immer von Hand gepflegt. An den steilen Hängen über Collioure, wo die Rebstöcke sich geduckt in die Terrassen schmiegen, blieb ihnen auch nichts anderes übrig. In der fünften Generation ist Laetitia die erste, welche den Weinbau nicht nebenberuflich betreibt.

Laetitia war schon immer eine Frau, die weiss, was sie will. Mit 27, eben aus Paris zurück, eröffnete sie ihrer Mutter kurzerhand, dass sie gedenke, künftig mit ihr zusammen für die Domaine zu sorgen, was Mutter Maguy nicht wirklich begeisterte. Laetitias Studium prädestinierte sie nämlich nicht unbedingt für die Arbeit im Weinberg. Zudem waren die Erträge gering, die Einrichtung veraltet – alles in allem: Die Domaine war nicht sehr rentabel.

Zwischen Reben und Schafen

Wie die Mutter zuvor hat sich aber auch die Tochter ins Zeug gelegt und nicht mehr losgelassen. Sechs Monate in Australien zwischen Reben und Schafen hatten Laetitia vollends davon überzeugt, dass der Weinbau ihre Berufung sei: «Ich durfte mich nicht irren, denn als Weinbauer lebt man immer mit dem Betrieb – da gibt es keine Pause oder gar Freizeit. Und in einem Familienbetrieb kann man nicht einfach einen Rückzieher machen… Die Domaine ist mein Daheim, mein Büro, der Ort, wo ich lebe.» Wolle sie zur Ruhe kommen, müsse sie raus aus Collioure.

Um mit dem Gut auf einen grünen Zweig zu kommen, kaufte Laetita nach und nach kleinere Parzellen dazu. Inzwischen bewirtschaftet sie 26 Hektaren, wovon aber immer noch zwei Drittel hoch über dem alten Städtchen Collioure liegen. Die «Geschichte rentabel zu machen», ist ihr inzwischen gelungen. Maguy hilft noch immer mit, zudem kann Laetitia seit Jahren auf die Unterstützung und das Wissen der Oenologin Hélène Grau zählen. Wo man hinschaut – seien es die Terrassen im Weinberg, die Reben, der Keller oder der «chai maison», das offene Lager im Hof, wo in riesigen Flaschen die göttlichen Süssweine an der Sonne reifen – nichts scheint dem Zufall überlassen. Qualität ist stets das erste Ziel. Laetitia sagt dazu augenzwinkernd: «Sie sind hier bei Frauen!»

Macht sie also Frauenweine? Sie produziere gewisse Banyuls in der traditionellen Weise wie ihr Grossvater. Dennoch gäbe es Kunden, die meinen, dass Piétri-Géraud Weine mit einer femininen Note mache. «Vielleicht ist es etwas, das man finden möchte – vielleicht ist es das Resultat einer Prise Charme und Verführung», sagt sie, klimpert mit den Wimpern – und man erntet einen Augenaufschlag, wie man ihn wirklich nur in Frankreich sieht.

Temperamentvoll und impulsiv

Ihre Weine zeigen sich alle sehr charaktervoll, teilweise temperamentvoll und impulsiv – wie die Winzerin. Durch kleine Quadratmeter-Erträge, sorgfältige und sanfte Vinifikation und viel Geduld entstehen bei Pétri-Géraud ausnahmslos grosse Weine. Und dennoch tüftelt Laetitia immer weiter. «Irgendwann müsste man eigentlich aufhören, aber die Banyuls sind wie ein unermesslicher Schatz, der immer neue Überraschungen birgt. Ich versuche, einschmeicheln­de, tiefgründige Rotweine zu machen mit Schokolade- und Röstnoten, die vielleicht die Erinnerung an die Zeit wieder aufleben lassen, als man mit dem Finger vom Glas mit Zwetschgenkonfi genascht hat.»

Wird sie dereinst wie ihre Mutter die Domaine an die Tochter weitergeben? «Vielleicht. Im Moment findet Ornella jedoch, dass ich stets irgendwo herumrenne und dass Winzerin zu sein deshalb ein ganz schön müde machender Beruf sein müsse!», antwortet Laetitia – und ist bereits um die nächste Ecke verschwunden.

8 Fragen an Laetita Piétri-Clara

Meine Appellationen?

Banyuls, Collioure, Muscat de Rivesaltes.

Lebensmotto?

Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott.

Was ich liebe?

Eine schöne Dorade auf einem Bett von Kartoffeln, Tomaten und roten Peperoni. Den Wein, den ich gerade trinke (produziert von meiner Freundin von den Vinifilles). Aber mein Lieblingswein wird immer ein Haut Brion sein.

Meine Top-Tipps?

Wer könnte den Macarons von Bajard (in Perpignan) widerstehen, einer «rousquille» – ein Mandelbiscuit nach altem Rezept – von Lilian Pons oder den Anchovies von Roques (beide in Collioure)?

Besonderes Kennzeichen?

Ich lasse meinen Wein auf dem Balkon des Weinguts sonnenbaden.

Meistgebrauchtes Schimpfwort?

Zut!

Lieblingsfest?

Das Feuerwerk am 16. August (das schönste der Welt) und Silvester am Strand von Collioure.

Bestes Antidepressivum?

Eine Umarmung und ein Glas Wein. Oder umgekehrt.

Die Weine der Domaine Piétri-Géraud

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