Domaine La Croix Gratiot

Wein und Kunst: Die jungen Wilden

Das Weingut La Croix Gratiot liegt einige Kilometer von Pézenas entfernt im Niemandsland zwischen dem mittelalterlichen Städtchen und dem Étang de Thau, in dieser kleinen Appellation Picpoul de Pinet. In der Abgeschiedenheit, zwischen Reben, Pinien und viel Garrigue, produziert die 37-jährige Anaïs Ricôme ökologisch nachhaltige Weine – mit sehr viel Lust auf Neues.

Die Domaine La Croix Gratiot ist ein schönes Beispiel für das Zusammenspiel von Gemeinschaft, Kultur und Kreativität, das viele Languedoc-Winzer charakterisiert. Die Brüder Yves und Hugues Ricôme bauten das Weingut 2004 auf Land, das seit Generationen von ihrer Familie bewirtschaftet wurde. Im Jahr 2007 übergaben sie an Yves› damals 23-jährige Tochter Anaïs, welche in Neuseeland Weinbau studiert hatte. Sie stellte sogleich um auf nachhaltige Landwirtschaft und Weinproduktion mit Biodiversität.

Anaïs hat ein grosses Interesse an der traditionellen und handwerklichen Weinherstellung, einschliesslich der Verwendung von Tonamphoren, einer Technik, die von den Römern sowohl für die Reifung als auch für die Lagerung verwendet wurde. Die junge Frau wird aber auch von dem unkonventionellen Geist angetrieben, der die Renaissance der Weinherstellung im Languedoc so beflügelt hat – immer wieder setzt sie sich erfolgreich mit neuen, überraschenden und verblüffenden Ideen durch, was ihr inzwischen höchste Anerkennung in der Weinbranche eingebracht hat. Anaïs Ricôme ist ein Vorbild für alle Frauen im Weinbusiness, die sich bisher nicht genug getraut haben. Und eine Herausforderung für alle Männer in der Weinbranche, die sich noch immer nicht vorstellen können, dass man einen Traktor auch mit Eleganz handhaben kann…

Anaïs, was hat das Languedoc, was andere Weingebiete nicht bieten?
Wir haben eine Menge Freiheiten! Eine breite Palette von Rebsorten und Terroirs, die unsere Kreativität anregen! Nach meiner Weinanbau-Ausbildung in Neuseeland wollte ich Pinot Noir anpflanzen. Das ist mir gelungen und ich bin sehr zufrieden mit der Art und Weise, wie diese Rebsorte das Terroir widerspiegelt.

Was lieben Sie an Ihrem Beruf?
Ich liebe meinen Job, weil kein Tag wie der andere ist. Du bist im Weinberg, du bist im Keller, du verkaufst Wein, es ist einfach total cool!

Wo ist für Sie der grösste Moment auf dem Weg von der Rebe in die Flasche?
Die Ernte! Für mich ist die Aufregung dann auf dem Höhepunkt! Das ist die eigentliche Umsetzung all der Arbeit und Ideen, die ich während des Jahres hatte.

Und in welchem Moment verspüren Sie die grössten Zweifel?
Im Mai und Juni, weil es dann eine Menge Arbeit zwischen Weinberg und Vermarktung zu tun gibt. Wir können nicht überall sein. Und dann kommt alles zusammen, rund um die Blüte der Reben.

Auf welchen Ihrer Weine sind Sie am meisten stolz?
Sie haben alle eine einzigartige Signatur. Sie wurden mit einem besonderen Wunsch geschaffen… Mein Ziel ist es, zu zeigen, dass Piquepoul Blanc (Anm. d. Red.: die einzige in der AOP Picpoul de Pinet zugelassene Rebsorte) in der Lage ist, mit der Zeit zu altern. Also würde ich sagen: der Bréchallune-Jahrgang 2019, hergestellt aus Parzellenauslese und auf der Hefe gereift. Ich bin wirklich stolz darauf, das volle Potenzial dieser für die Region emblematischen Rebsorte zu enthüllen.

Dann ist der Piquepoul Blanc auch Ihre Lieblingssorte unter den Trauben?
Das ist tatsächlich meine Lieblingsrebsorte, aber meine Lieblingsrebe ist Roussanne. Ich liebe sie, der Weinstock ist herrlich, mit seinen schönen Trauben, die sich im September rot färben. Und dann die reifen Beeren, die­ haben so viel Geschmack… Mmh! Roussanne findet sich in meiner Cuvée Les Zazous Blanc wieder, einem Wein, der sechs Monate in gebrauchten Barriques reifte.

Gibt es einen Traum, welchen Sie auf Ihrer Domaine noch verwirklichen möchten?
Ein Projekt, das ich schon lange im Kopf habe, ist die Bepflanzung des ein Hektar grossen Grundstücks direkt vor dem Weingut mit einem Dutzend weisser und roter Rebsorten. Um einen Rosé- oder Clairet-Wein herzustellen, bei dem alles zusammengemischt wird! Davon träume ich!

Und welchen Moment geniessen Sie im Leben am meisten?
Also… Wenn es mir gelingt, Menschen zu überraschen und zum Staunen zu bringen!

Sie lassen viele Künstler auf dem Weingut arbeiten. Was haben Kunst und Wein gemeinsam?
Alles! Es gibt nichts, was uns trennt… Nun, wir sind wirklich mit der Erde verbunden und abhängig von Mutter Natur. Aber dann denke ich, dass es echt eine Kunst ist, Wein zu machen. Für mich ist es offensichtlich, dass wir Winzer viel gemeinsam haben mit den Künstlern. Ich denke, diese Verbindung sollte man auch manifestieren. Darum habe ich den Rosé Roséphine nach dem Lied Osez Joséphine von Alain Bashung benannt. Ich habe unsere Etiketten immer von Didier Tallagrand, einem zeitgenössischen Künstler und Lehrer an der Ecole ­Supérieure d’Art d’Annecy, gestalten lassen. Und als wir in den neuen Degustationskeller eingezogen sind, haben wir etwas Platz an den Wänden gelassen, damit wir Gemäldeausstellungen durchführen können. Im Keller haben wir ein grosses farbiges Graffiti. Wir trafen uns mit dem Künstler, die Vibes passten. Wir überliessen ihm am Freitagabend den Raum und am Montagmorgen hatten wir die Überraschung.

Die Weine von La Croix Gratiot

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