Domaine d'Archimbaud

Bio-Betrieb seit drei Generationen

Die Domaine d’Archimbaud in Saint-­Saturnin de Lucien im Nordwesten von Montpellier hat eine Geschichte, die bis ins 14. Jahrhundert zurückreicht. Seit vier Generationen führt die Familie Cabanes das Weingut und stets hatten die Frauen das Sagen.

«Ich warte seit einer halben Stunde!» empfängt uns vorwurfsvoll Marie Cabanes, die leidenschaftliche Winzerin auf der Domaine d’Archimbaud vor ihrem neuen Keller an der Landstrasse zwischen Saint Felix de Lodez und Saint-Saturnin de Lucian. Wir haben uns verspätet auf dem Rückweg vom nicht allzu weit entfernten touristischen Kleinod Saint-Guilhem-le-Désert. Ohne weiter Zeit zu verlieren, lassen wir uns von der jungen Mutter einer sechsjährigen Tochter die Rebberge zeigen. Gut 30 Hektar mit Syrah, Grenache, Mourvèdre und Carignan bilden neben den weissen Sorten Viognier, Grenache blanc und Muscat die Basis für bemerkenswert strukturierte, eigenständige Weine, deren neue Jahrgänge uns bei der anschliessenden Degustation viel Freude bereiten. Und damit ist auch bei Marie die schlechte Laune schnell vertrieben.

Die kühle Ecke des Languedoc

Saint-Saturnin de Lucian liegt in der Appellation Terrasses du Larzac in den Ausläufern der Causse du Larzac, einem Kalksteinplateau am südlichen Rand des Zentralmassivs. Die Rebberge liegen hier höher als in den meisten Appellationen des Languedoc (bis gegen 400 m ü.M.) und das Klima ist anders: Die Tage sind immer noch sonnig und heiss, aber die Nächte sind kühler als in den tief gelegenen und küstennahen Languedoc-Regionen, was eine etwas längere Vegetationsperiode ermöglicht. Die Weinberge sind durch das Larzac-Plateau und den imposanten Mont Baudille, der sich wenige Kilometer nordöstlich auf 847 m ü.M. erhebt, vor den Nordwinden und den schlimmsten Auswüchsen der Wettersysteme des Massif Cenral geschützt. Die Weine wirken dadurch fruchtiger und haben mehr Souplesse als Produkte aus der Ebene.

Die Appellation Terrasses du Larzac mit ihren regionalen Crus wie Saint Saturnin oder Mont Baudille ist erst seit 2014 offiziell anerkannt, hat aber den Weinplaneten bereits in Erstaunen versetzt… Fünf Genossenschaftskellereien und 60 Weingüter produzieren hier auf einer Fläche von 2000 ha mit von den besten Weinen Südfrankreichs – innert kürzester Zeit hat sich die Appellation den Ruf als Flaggschiff der Region erarbeitet. Grossen Anteil daran haben natürlich die charaktervollen Weine der Domaine d’Archimbaud.

Eigenständig seit 17 Jahren

Die Domaine d’Archimbaud existiert seit dem 14. Jahrhundert, erste Erwähnungen stammen von 1313. Heute bewirtschaftet Maries Familie das Weingut in der vierten Generation. Stets standen dabei die Frauen im Rampenlicht; schon ihre Grossmutter bestand darauf, dass biologischer Weinbau betrieben wird. 2001 löste sich Maries Vater Jean-Pierre von der örtlichen Kooperative und hat zusammen mit seiner Tochter Marie die 30 Hektar völlig neu bepflanzt und umstrukturiert.

Die Vater-Tochter-Beziehung musste einiges aushalten – wie das auch in vielen anderen Familien durchlebt werden muss. Heute ist es Marie, rebellisch, mutig und frei, die das Weingut verwaltet und den Wein produziert, den sie mag. Jean­Pierre unterstützt seine Tochter aber nach wie vor, vor allem draussen im Rebberg. Eben kommt er angefahren, etwas zerzaust und staubig. Es stellt sich heraus, dass er gerade in den Weinbergen war und die Reben mit etwas Schwefel behandelt hat. Der Frühling ist dieses Jahr etwas kühl und feucht gewesen mit beinahe täglichen Niederschlägen. Also war der Einsatz mit dem Beginn des wärmeren Wetters notwendig, um Mehltau zu verhindern. Die Domaine wird im ökologischen Landbau betrieben und ist Ecocert zertifiziert. «Ich habe einen gesunden Boden geerbt», konstatiert Marie. «Es ist ein Qualitätslabel für unsere Weine.»

L’Enfant Terrible

Im Weinberg wird präzise und rigoros gearbeitet, um das Beste aus den Reben herauszuholen, denn jeder Wein ist eine subtiles Produkt aus dem Einfluss der Natur und dem menschlichen Know-how. Wie definiert Marie ihre Messlatte? «Ganz einfach. Ich will Weine zum Geniessen. Aber nicht alleine feine und volle, sondern auch unverfälschte Weine.» Der Enfant Terrible ist ein tolles Beispiel für ihre Arbeit. Hier dominiert die Mourvèdre (60%), eine Traube, der man einen schwierigen Charakter nachsagt (wie auch der Name des Weins nahelegt). Aber nicht so bei Marie Cabanes – sie weiss ihre «Kinder» zu erziehen!

8 Fragen an Marie Cabanes

Meine Appellationen?

Saint Saturnin und Terrasses du Larzac – für letztere schlägt mein Herz, schliesslich habe ich deren Geburt miterlebt!

Lebensmotto?

Ich verliere nie – entweder ich gewinne oder ich lerne.

Was ich liebe?

Bei Sonnenaufgang, eine Tasse Kaffee in der Hand, den Blick über meine Reben gleiten zu lassen. Die Ruhe und Frische eines Sommermorgens zu geniessen und den glitzernden Tau auf dem Gras zu betrachten. Und den Herbst liebe ich für seine Farben in den Reben, das Ocker-Rot und sein Gelb…

Meine Top-Tipps?

Die Weine von Freunden. Man tauscht, man probiert – und reserviert sie vor allen anderen.

Besonderes Kennzeichen?

Draufgängerin.

Meistgebrauchtes Schimpfwort?

Merdoum…

Lieblingsfest?

Das Ende der Weinlese – für uns das besondere Zeichen für das Ende einer anstrengenden Zeit. Wir essen gemeinsam, versuchen den ersten Saft, sind glücklich. Seit ich Maman bin, mag ich auch Weihnachten schrecklich gern. Wenn ich den Zauber des Christkinds in den Augen meiner Kleinen sehe, diese Unbekümmertheit, dieses schlichte, kostbare Glück im Kreise der Familie…

Bestes Antidepressivum?

Ich liebe Schokolade. Intensive, schwarze Schokolade – da kann ich nicht widerstehen. Verheerend!

Die Weine der Domaine d'Archimbaud

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