Domaine Bertrand-Bergé

Gelebte Natur und stille Leidenschaft

Seit 30 Jahren zählen die Weine der Domaine Bertrand-Bergé zu den besten des ganzen Fitou. Produziert von einem bescheidenen und zurückhaltenden Bauern, den man im Schweizer Dialekt als «Muuggi» bezeichnen würde. Wie passt das zusammen? Wir besuchten das Weingut im Südwesten von Narbonne und glauben, das Geheimnis dieser herausragenden Weine gelüftet zu haben.

Wir sind unterwegs auf den kurvigen Strassen durch die kargen Hügel der Corbières in Richtung Süden. Immer wieder öffnen sich atemberaubende Landschaften und aus kleinsten Taleinschnitten leuchten uns in sattem Grün kleine und kleinste Rebparzellen entgegen. Wir befinden uns mittlerweile im Fitou, als sich nach Tuchan das Tal des Flüsschens Verdouble gut vier Kilometer weitet. Gegenüber, bevor sich der Verdouble in die nächste Schlucht zwängt, liegt Paziols, unser Ziel. Hier liegt das Weingut Bertrand-Bergé, eines der grossartigsten dieser Appellation. Gemächlich durchqueren wir das 500-Seelen-Dorf und halten vor der Cave an der Avenue du Roussillon. Wir blicken durch die weit geöffneten Tore des 110 Jahre alten Kellers – und sind begeistert.

Hier werden im Herbst alle – ob weiss oder rot – von Hand gelesenen Trauben nach dem Entstielen sortiert und gepresst. Jetzt aber spiegeln sich auf dem blitzblanken Boden links und rechts in satt leuchtendem Weinrot zwei Reihen alter Zementbottiche. In diesen lagern nach der temperaturkontrollierten, zwei bis drei Wochen dauernden alkoholischen Gärung, die einfachen Rotweine. Ancestrale, La Boulière und Jean Sirven werden ganz oder teilweise in Barriques gereift. Ganz hinten, am Ende des Kellers, sehen wir eine Reihe polierter Stahltanks und unmittelbar davor, an einem kleinen Holzpültchen sitzt Jérôme Bertrand, miten in seinem Reich.

Die Familie als ruhendes Zentrum

Jérôme Bertrand ist einer der begabtesten Winzer seiner Generation, was in grossem Gegensatz steht zum Eindruck, den er vermittelt: schüchtern, zurückhaltend, bescheiden. Er meidet Augenkontakt und erweckt den Eindruck, zum Lachen jeweils in den Keller hinunterzusteigen. Emotionen in seinem Gesicht sind sehr selten, es sei denn, er ist im Kreis seiner Familie. Um seine Frau Sabine und die vier gemeinsamen Töchter ist ihm sichtlich wohler als in Gesellschaft von Fremden. Es ist denn auch in der Regel Sabine, welche Besucher durch die um das Dorf verstreuten Weinberge führt. Diese umfassen rund 36 ha.

Das Weingut Bergé gibt es schon seit langer Zeit. Schon Im 19. Jahrhundert hatte Jean Sirven, der Urgrossvater von Jérôme Bertrand, den Direktverkauf der Weine der Domaine in Angriff genommen und auf der Weltausstellung in Paris im Jahr 1900 eine Goldmedaille gewonnen. Als er starb, brachten seine Nachkommen ihre Trauben in die örtliche Genossenschaft, bis 1992 Pierre Bertrand, seine Ehefrau Bernadette Bergé und Sohn Jérôme beschlossen, die alte Familienleidenschaft wieder aufleben zu lassen und selber Qualitätswein herstellten. Seither haben sich die Dinge gut entwickelt; das Weingut wurde umstrukturiert, der Keller modernisiert und um einen sehr modernen Fasskeller erweitert.

Anfang der 2000er-Jahre wurde auf biologischen Weinbau umgestellt. «Ich habe mich für Bio entschieden, für die Gesundheit der Menschen, die im Weinberg arbeiten, und für eine Natur ohne chemische Rückstände in Wasser und Boden. Wir haben auch Olivenbäume und Trüffel gepflanzt, und wir werden die Casots wieder aufbauen und die Steinmauern restaurieren.» All diese Faktoren tragen zur Schönheit und Harmonie der Landschaft und der Artenvielfalt bei. Carignan, Syrah, Grenache und Mourvèdre haben dank der Vielfalt des Terroirs ihre optimalen qualitativen Bedingungen finden können.

Natürlich bedeute das mehr Arbeit: «Ici on n’a pas le temps de s’ennuyer», sagt Jérôme. Hier gibt es keine Zeit, sich zu langweilen. Gut gepflegte Reben, begrünt, ohne synthetische Mittel. Und im Hintergrund der herrliche Blick auf den Mont Tauch… «Ist das Leben nicht schön?» Zeigt sich da sogar der Anflug eines Lächelns in seinem Gesicht?

Die Ursprünglichkeit der Natur

Jérôme lebt für seine Leidenschaft, ist ein Perfektionist bis zum Äussersten, sogar pünktlich und hört nicht auf, sich Herausforderungen zu stellen, um immer weiter voranzukommen. Er nimmt sich Zeit zum Nachdenken und hört auf die erhellenden Meinungen seiner Verwandten und seinen eigenen gesunden Menschenverstand. Wenn dann eine Entscheidung getroffen wird, geht alles sehr schnell, er wird zum Getriebenen und gibt seinem ganzen Team den Takt vor.

Fitou ist eine Weinregion, die von internationalen Weinkennern lange Zeit zu Unrecht vernachlässigt wurde; der Weisse wird sogar als Méconnu, unbekannt, gebrandmarkt. Vielleicht liegt es daran, dass der Wein selbst an die Region erinnert: wild und weit, mit Bergen, die in der Ferne aufsteigen, und Rebberge, die sich um sie herumschlängeln und in alle Richtungen entfalten. Aber in diesen steilen, wilden, unzugänglichen Landschaften finden sich oft einfache, bescheidene, aufrichtige Winzer, die weit weg sind von all den Dingen, die den Menschen heute ablenken und selbstgerecht machen. Diese wahre Ursprünglichkeit finden Sie im Fitou noch heute. Und wenn Sie nicht dorthin gehen können: Die Flasche aus unseren Regalen wird von der ganzen Aufrichtigkeit, der Menschlichkeit dieser Frauen und Männer zeugen.

Die Weine der Domaine Bertrand-Bergé

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