Château de L'Ou

Leidenschaft, Kreativität, Perfektion

Zwischen Meer und Pyrenäen, zehn Kilometer südlich von Perpignan, in Montescot, liegt das Château de l’Ou – die jüngste Trouvaille von Vindoc. Vor Ostern haben wir das Gut der Winzerin Séverine Bourrier besucht.

Geborgen im Schatten eines kleinen ­Pinien- und Palmenwaldes liegt das Château de L’Ou (katalanisch für Ei) ausser­halb von Montescot. Begrüsst werden wir von Hermes, einem riesigen, gutmütigen Pyrenäen-Hirtenhund, der sich aber bald davontrollt, als wir mehr Interesse am Weinkeller zeigen als an seinen tolpatschigen Avancen zum Spielen.

Im Eiltempo führt uns Weinmacherin Séverine Bourrier durch ihr Anwesen, sie erzählt von den ersten Stunden auf L’Ou: wie sie nahe am Verzweifeln war, wie sie tagelang geputzt hatte und immer noch alles schmutzig gewesen sei… Heute darf sie aber stolz sein auf ihren Musterbetrieb. Blitzblank ist alles, vom Kellerboden bis zu den Stahltanks. Und bunt: L’Ou ist bekannt für seine einzig­artig regenbogenfarbenen Fässer. Schmun­zelnd erzählt sie, wie sie den Küfer überreden musste, für sie vom Standardgrau abzuweichen. Und wechselt die Rede vom Fass zum Vinifizieren, ist Séverine nicht mehr zu bremsen. Leidenschaftlicher und sensibler für den Weinbau zu leben als Séverine Bourrier dies tut, ist wohl kaum möglich.

Séverine ist weder Winzers- noch Weinhändlerstochter, und doch erwachte ihre Faszination für Wein schon im jugendlichen Alter – an einer Berufsschau in Bordeaux. Nach vier Jahren Studium – sie schloss als Beste ihres Jahrgangs ab – arbeitete sie gut zehn Jahre in den Weinbergen des Bordelais, unter anderem auf Château Angélus.

Auf Kriegsfuss mit den Traditionalisten

In den traditionellen Strukturen des Weinbaus im Bordelais hatte man zwar grosses Interesse am Wissen und am handwerklichen Geschick der jungen Winzerin, weniger jedoch an ihren kreativen Ideen und ihrem Perfektionismus. «Was die Vinifikation betrifft waren die Bordeaux-Produzenten doch sehr in ihrem Tradionalismus gefangen, ­erstarrt in ihren alten Arbeitsmethoden», blickt Séverine zurück. Für junge Oenologen war es nicht ­einfach, eigene Ideen zu verwirklichen – erst ­recht nicht für eine Frau.

Séverine Bourrier verliess Bordeaux und zog gen Katalonien – präziser: nach Perpignan –, wohl wissend, dass die Weine des Languedoc damals keinen sehr guten Ruf genossen. «Ich verstand dies als Chance. Jede Krise bedeutet auch Aufbruch und damit die Möglichkeit, etwas Neues zu schaffen», erklärt sie ihren mutigen Schritt. Aber was sich fügen muss, das fügt sich: Hier lernte sie ihren Mann Philippe kennen, einen Agronomie-Ingenieur mit demselben Enthusiasmus für den Weinbau.

Mit Leib und Seele verschrieb sich das Paar vor 15 Jahren dem Weinbau, gemeinsam kauften sie Château de l’Ou mit 30 Hektaren Rebfläche. Das Gut war heruntergekommen und hatte nur Offenwein produziert. Für Séverine und Philippe kam nur eine ­Radikalkur in Frage: Sie setzten von Anbeginn voll auf biologischen Anbau. Ein Drittel der Weinstöcke wurde sofort ersetzt, in den folgenden Jahren wurden auch die restlichen Flächen neu bestückt und der Weinkeller komplett erneuert. 2007 gaben die Reben einen ersten Qualitätswein; seither können sich die Bourriers vermehrt um den Ausbau der Weine kümmern.

Neuland – und stete Suche…

Der Ausbau ist eindeutig Séverines Terrain. Immer auf der Suche nach neuen ­Assemblagen und neuen Vinifikationsmethoden, will sie das Beste aus ihren Terroirs herausholen. Das geht nicht ohne Emotionen: «Bei jeder Lese stellt man seine Arbeitsweise wieder neu in Frage. Man weiss nie, was die Reben bringen werden – gerade das ist aber das Interessante an dieser Region. So ist jedes Jahr ein Neubeginn.» Deshalb reifen die Weine auf Château de l’Ou nicht nach «Schema F», zumal Séverine auch ganz neue Wege zu gehen bereit ist. «Ich bin eine Perfektionistin», sagt sie, «und ich verfolge meine Ideen kompromisslos, ja fast stur zu Ende. Ich will den Erfolg!»

Integrale Vinifikation

Wie bei ihrem «Infiniment rouge» bei­spielsweise, wo sie – ganz Pionierin – auf integrale Vinifikation setzt. Das Traubengut für den reinen Syrah wird direkt nach dem Entstielen zur Mazeration für 3–4 Wochen in offene Eichenfässer von 300 Litern gegeben. Der Inhalt jedes Fasses wird einzeln gepresst und danach im selben Fass zur Reifung für weitere 12–14 Monate vom Küfer verschlossen. Intensive, explosive Frucht- und Gewürz­noten und ein feiner, langer Abgang sind das Ergebnis.

Vor vier Jahren sind zwei Terroirs hinzugekommen von 9 resp. 2,5 Hektaren im 40 Kilometer entfernten Saint-Paul de Fenouillet (Corbières). Hier wachsen zwei weitere reinsortige Syrah, die ebenso wie der Infiniment die eigenständigkeit ihres Terroirs deutlich und typisch zu Tage treten lassen. Beide wachsen in «Höhenlagen» von 300–400 m ü.M. auf bodenbedeckendem Schiefergeröll («Velours noir» auf schwarzem, «­Secret des Schistes» auf gelbbraunem) mit Er­trägen von 1–1.2 dl pro m2 – ein an Dich­te kaum zu überbietendes Gaumenerleb­nis. Vindoc-Kunden dürfen sich schon jetzt auf unsere Herbst-Neuheiten freuen!

8 Fragen an Séverine Bourrier

Meine Appellationen?

Côtes du Roussillon, Muscat de Rivesaltes, Rivesaltes, Vin de Pays des Côtes ­Catalanes.

Lebensmotto?

Wer schweigt, ist einverstanden.

Was ich liebe?

Loup de Mer in Salzkruste. Einen Cornas von der Domaine Michelas St Jemme.

Meine Top-Tipps?

Für wirklich frischen Fisch: das Restaurant 7ème Vague in Perpignan, die Eisbombe aus der Pâtisserie «Chez Jean-Marie» in Perpignan und ein paar Schläge Golf im «Golf Green 66» gleich gegenüber von Château de l’Ou.

Besonderes Kennzeichen?

Meine regenbogenfarbenen Tanks und Barriques.

Meistgebrauchtes Schimpfwort?

Saperlipopette.

Lieblingsfest?

Die Antiquitätenmesse in Perpignan.

Bestes Antidepressivum?

Die Treffen mit den Vinifilles – oder eine schöne Platte mit Meeresfrüchten, begleitet von einer guten Flasche Wein.

Die Weine von Château de L'ou

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